Grusswort

Liebe Besucherinnen und Besucher,

als regelmäßige Leserinnen und Leser unserer Programmflyer und Webseite waren Sie es gewohnt, auf dieser Seite von einem freundlichen Herrn begrüßt zu werden, der auch die meisten Veranstaltungen der FABRIK persönlich betreute. Zu unserem großen Bedauern hat sich Rainer Erd, der unermüdliche Macher und Motor und künstlerische Leiter unseres Kulturwerks, nun als Vorstand der FABRIK verabschiedet. Wir danken ihm sehr herzlich für sein enormes Engagement, mit dem er diesen besonderen Ort für Kultur in Frankfurt-Sachsenhausen geprägt und erfolgreich weiterentwickelt hat.

Rainer Erd wird uns als Freund und Förderer weiter verbunden bleiben.

Die Programmgestaltung übernimmt nun ein Ihnen teils vertrautes und teils neubesetztes Programmteam mit den bereits seit vielen Jahren tätigen ehrenamtlichen Programmkuratoren Klaus Metz und Werner Heinz und Karin Wagner als neuer Programmgestalterin.

Seit 2004 hat die Peter Paul und Emmy Wagner-Heinz Stiftung in der alten Sachsenhäuser Mineralölfabrik einen Ort kultureller Intensität geschaffen. In dem wunderbaren Gewölbekeller des kostbaren Industriedenkmals präsentieren wir Ihnen Highlights aus der internationalen und nationalen Musikszene, Local Heroes und talentierte Newcomer. Mit unserem höchst vielfältigen Programm aus Jazz, Weltmusik, Chanson, Literatur und Bühne, Dialog und Debatten wollen wir Sie inspirieren, überraschen und unterhalten und einen interessanten Beitrag zur kulturellen Vielfalt der Stadt Frankfurt leisten.

Und wir versichern Ihnen: Wir werden weiterhin nur Künstler einladen, für die wir auch selbst die Eintrittspreise bezahlen würden, mit denen wir die Gagen und den Betrieb finanzieren.

Seien Sie unser Gast und genießen Sie die inspirierende Atmosphäre dieser besonderen Kulturstätte.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch.

P.S. Wenn Sie neugierig sind und musikalische Überraschungen lieben: Besuchen Sie doch mal unsere Jam-Session. Jeweils am ersten Montag im Monat treffen sich dort Altmeister, Local Heroes und neuentdeckte Talente zu bisher ungehörten Konstellationen.

Das Kulturwerk im Herzen Sachsen­hausens

Fabrik Außenansicht

Die Veranstaltungen der Fabrik finden derzeit im gemütlichen Ambiente des Gewölbekellers der ehemaligen Ölfabrik statt. Das Gebäude wurde 1883 errichtet und steht heute unter Denkmalschutz. In den kommenden Jahren soll an diesem Ort eine in Frankfurt einzigartige Kulturlocation entstehen. Träger ist die Peter Paul und Emmy Wagner-Heinz Stiftung zur Förderung kultureller und sozialer Zwecke.

Historie der Fabrik

Peter Paul und Emmy Wagner Heinz Stiftung

1. Die Stiftung, ihr Zweck und ihre Organe

2004 gründete Emmy Wagner-Heinz die „Peter Paul & Emmy Wagner-Heinz Stiftung“. Zweck der Stiftung ist, so hat es Emmy Wagner-Heinz in der Satzung festgelegt: die Förderung von Kunst und Kultur sowie die Unterstützung von behinderten und alter, in Not geratener kunst- und kulturschaffender Menschen.

Diese Ziele, so weiter die Stiftungssatzung, sollen verwirklicht werden durch Darbietungen von Konzerten, Lesungen, Ausstellungen, Theaterstücken und sonstigen künstlerischen Veranstaltungen sowie durch die Unterstützung von anderen steuerbegünstigten Körperschaften, u.a. der Kammeroper Frankfurt am Main e.V. und der Lebenshilfe e.V.

Verwaltet wird die Stiftung von drei Organen:
- Dem Vorstand: Karsten Heidebrecht.
- Der Vorstand unterliegt der Kontrolle eines aus fünf Personen bestehenden Kuratoriums: dem Vorsitzenden Michael Beseler, Verena Reutlinger-Heubner, Klaus Metz, Renate Gatzweiler und Dr. Rudolfo Dolce.
- Dem künstlerischen Programmteam, der aus drei Personen besteht: Dem Unternehmer Klaus Metz, dem Diplom-Pädagogen Werner Heinz und Jacqueline Kienle. Das Programmteam hat eine beratende Funktion für den Vorstand.

Die Stiftung ist 2004 durch die Einbringung von Grundstücken und Häusern errichtet worden. Unmittelbar nutzbar für kulturelle Veranstaltungen war nur der Gewölbekeller, dem bisher alleinigem Veranstaltungsraum. Die Remise wurde satzungsgemäß dem Verein Lebenshilfe überlassen. Um den Stiftungszweck vollständig umsetzen zu können, wurde ein Teil der Immobilien verkauft und in Wohn- und Geschäftsgebäude umgewandelt. Die Erlöse sollen nun genutzt werden zur Sanierung des alten Fabrikgebäudes und damit zur Schaffung eines weiteren, größeren Veranstaltungsraums in den Mauern der alten Fabrik.

2. Die Geschichte der Öl-Fabrik - ein Stück Frankfurter Industriegeschichte

1840 eröffnete der Kaufmann Philipp Peter Heinz (1806-1882) mit seiner Frau Maria Margaretha einen Laden in der Frankfurter Altstadt, in dem er Wein, Speiseöle und andere Kolonialwaren verkaufte. Das Geschäft war offenbar erfolgreich. Die Firma expandierte, eine neue Bleibe wurde gesucht und in Sachsenhausen gefunden.
Ab 1873 wurde Sachsenhausen durch die neu eröffnete Bahnlinie (Frankfurt-Bebraer Eisenbahn) und den damaligen Bebraer Bahnhof (heute Südbahnhof) an die wichtige Schienenverbindung Frankfurt – Leipzig angebunden. Die kompakte städtische Besiedlung in Sachsenhausen bot noch Platz für kleinere Industrieanlagen, die die Vorzüge der Elektrifizierung und der Verkehrsanbindung nutzten.
Auf dem erworbenen Areal in der Nähe der neuen Bahnlinie wollte Heinz eine Fabrik für Industrieöle, eine kleine Ölraffinerie, errichten. Doch die Nachbarn protestierten (sic!) und so wurde die Baugenehmigung erst nach langen Verzögerungen erteilt. Die schließlich errichtete Anlage entsprach dem zeitgenössischen Verständnis funktionaler Industriearchitektur, Produktions- und Arbeitsprozesse waren die bestimmenden Parameter. Die eigentliche Produktionsstätte war zweigeschossig: ein Klinkerbau, dessen Fassade mit historisierenden romantischen Elementen geschmückt und der durch einen erhöhten vorspringenden Gebäudeteil gegliedert war; dahinter trat der Fabrikschlot zurück. Dagegen hatte die teilweise in Fachwerk errichtete Remise rechts vom Klinkerbau einen noch eher ländlichen Charakter.
Nach dem Tod von Philipp Peter Heinz 1882 begann die Firma, unter der Leitung der beiden Söhne, Carl Joseph Heinz (1841-1900) und Name nicht bekannt, wahrscheinlich auch Philipp (1842-1910), sich auf die Herstellung von Schmiermitteln und technischen Ölen zu spezialisieren. Nachdem auch ein Ölmagazin errichtet worden war, zog die Firma an die neue Adresse, Mittlerer Hasenpfad 5, und hier baute der Frankfurter Architekt und Bauunternehmer Louis Greb für die Familie auch ein Wohnhaus, das sie 1883 bezog.
Nach Philipps Tod führte Sohn Eugen Jacques Philipp Heinz (1874-1932) die Firma erfolgreich weiter. Die Hausmarke Adler scheint besonders verbreitet gewesen zu sein: "Ölsorten der Ölfabrik und Raffinerie PPHeinz sind seit über 70 Jahren in den allerersten Industriekreisen bestens akkreditiert und werden von vielen ersten Autoritäten des Maschinenbaus empfohlen", hieß es in einer Werbung von 1915. Das Rohöl, das in der Raffinerie verarbeitet wurde, importierte die Firma bis zum Ende des Ersten Weltkriegs aus eigenen Ölquellen in Russland.
Auf Eugen Heinz folgte Marguerite Schwind (1871-1951), seine Cousine dritten Grades, in der Führung des Familienunternehmens. Seit Ende der 1930er Jahre unterhielt die Firma eine Vertretung in Berlin und war Teil der "Kriegs- und Ersatzwirtschaft".
Nach dem Tod Marguerite Schwinds wurde Emmy Wagner geb. Heinz (1907 – 2003), Tochter von Philipp Heinz' zweitem Sohn Alfred und verheiratet mit Dr. Peter Paul Wagner, alleinige Unternehmensinhaberin. Die Ehe blieb kinderlos. Bis in die 1970er Jahre wurden noch technische Öle in der Fabrik abgefüllt, doch die Entwicklung der großtechnischen Ölindustrie machte das Überleben solch vergleichsweise kleiner Raffinerien unmöglich. Die Firma musste geschlossen werden, das Gelände verwaiste. Mit Unterstützung ihres Rechtsanwalts, des Kunstliebhabers und Mäzens Peter Säuberlich, gründete Emmy Wagner die Stiftung und brachte Grund und Gebäude der Fabrik als Stiftungsvermögen ein. Hierdurch bleiben der Name der Unternehmerfamilie Heinz und die (Kultur-)Fabrik als Wahrzeichen einer untergegangenen Industriearchitektur mit Frankfurt und Sachsenhausen verbunden.

3. Die Zukunft der Stiftung – der Ausbau des Kulturwerks DIE FABRIK

In diesen Tagen beginnt die konkretere Planung zur Sanierung des alten Fabrikkomplexes verbunden mit Überlegungen zur weiteren Nutzung. Einigkeit besteht darüber, dass neben dem weiterhin zu bespielenden Gewölbekeller in der Fabrik ein zusätzlicher Veranstaltungsraum geschaffen werden soll. Dessen Größe sowie die dort möglichen Veranstaltungen sind noch nicht festgelegt, sie werden von den verfügbaren Finanzierungsmöglichkeiten und den notwendigen Mitteln für Investition und laufenden Betrieb maßgeblich beeinflusst.
Die sanierte Fabrik soll ein Kulturzentrum in Sachsenhausen für Sachsenhausen, aber auch für Frankfurt und die Rhein-Main-Region sein. Wie bereits heute im Keller praktiziert, sollen in der neuen Fabrik Künstler aus Frankfurt, der Region sowie aus dem Ausland auftreten. Großzügig prognostiziert könnte die neue Fabrik im Frühjahr 2020 ihre Türen für das Publikum öffnen.