Zurück zur Übersicht 

Ilija Trojanow

Kenia und Deutschland | DIE FABRIK

Ilija Trojanow ist Schriftsteller und Übersetzer, war viele Jahre auch Verleger, doch vor allem ist er ein Weltensammler, einer, der viel unterwegs ist und bei dem statt eines Wohnorts gelegentlich steht: überall.
Vor allem ist er einer der erfolgreichsten deutschen Autoren und zugleich einer derjenigen, denen Weltläufigkeit und Weltoffenheit geradezu Programm ist.

"Nomade auf vier Kontinenten. Auf den Spuren von Sir Richard Francis Burton." (Dtv, München 2007) knüpft an seinen Welterfolg an, den umfangreichen Roman "Der Weltensammler" (Hanser, München 2007). Sieben Jahre lang war Ilija Trojanow auf den Spuren des Weltensammlers Richard Francis Burton durch Indien, Arabien, Afrika und Nordamerika gereist. Er stellt den exzentrischen Lebemann anhand von Ausschnitten aus dessen literarischem Werk vor und verknüpft sie mit eigenen Reiseerlebnissen. Eine intensive, die Jahrhunderte überspannende Begegnung.

Der Text setzt die Stimmen Burtons und Trojanows gegeneinander. Für den Roman "Der Weltensammler", der monatelang auf den Bestsellerlisten in Deutschland, Schweiz und Österreich stand, erhielt Trojanow den Preis der Leipziger Buchmesse.

Biographisches

Ilija Trojanow wurde 1965 in Bulgarien geboren. 1971, kurz vor seiner Einschulung, flohen seine Eltern mit ihm über Jugoslawien und Italien nach Deutschland, wo sie in München politisches Asyl erhielten. Ein Jahr später zog die Familie nach Kenia, wo sein Vater als Ingenieur arbeitete. Von 1972 bis 1984 lebte Ilija Trojanow in Nairobi - unterbrochen von einem dreijährigen Aufenthalt in Deutschland (1977-1981).

Nach einem längeren Besuch in Paris studierte er von 1984 bis 1989 "Jura, Ethnologie und Havarie" an der Maximilians-Universität in München. 1989 gründete er den Marino Verlag, der sich auf afrikanische Literatur spezialisierte. Anfang der neunziger Jahre durchreiste Trojanow Afrika. Aus dieser Zeit stammt sein erstes Buch "In Afrika. Mythos und Alltag Ostafrikas" (Marino 1993), in dem er schildert, wie sich sein anfängliches Befremden in Interesse und Zuneigung für seine neue Heimat Kenia verwandelt.
Nach "Naturwunder Ostafrikas" (Frederking & Thaler 1994) erschien 1996 "Hüter der Sonne. Begegnung mit Simbabwes Ältesten" (Frederking & Thaler), das er mit dem Autor Chenjerai Hove verfasste. Im selben Jahr erschien sein erster Roman "Die Welt ist groß und Rettung lauert überall" (Carl Hanser), der von der Exilerfahrung einer Familie vom Balkan in einem italienischen Asylantenheim handelt. Für diesen Roman erhielt er mehrere Auszeichnungen.

1998 übersiedelte Trojanow nach Bombay. Aus Indien schrieb er Reportagen und Essays unter anderem für die Frankfurter Allgemeine Zeitung, die Süddeutsche Zeitung und die Neue Züricher Zeitung. 1999 erschien sein Essay "Hundezeiten. Heimkehr in ein fremdes Land" (Carl Hanser) über seine Rückkehr nach Bulgarien. 2001 unternahm er einen dreimonatigen Fußmarsch durch Tansania auf den Spuren des englischen Entdeckers und Orientalisten Sir Richard Francis Burton (1821-1890). Im selben Jahr erschien das Buch "Der Sadhu an der Teufelswand" (Frederking & Thaler).

"An den Inneren Ufern Indiens" (Hanser 2003) schrieb Trojanow, nachdem er entlang des Ganges von der Mündung bis in die großen Städte gereist war. Zuletzt nahm er an der großen Hadsch teil; davon berichtet er in dem Buch "Zu den heiligen Quellen des Islams. Als Pilger nach Mekka und Medina." (Piper 2004).

Im Mai 2007 erschien sein Reportagenband "Nomade auf vier Kontinenten", und im Herbst 2007 der Essay, geschrieben zusammen mit dem indischen Publizisten Ranjit Hoskoté, "Kampfabsage. Kulturen bekämpfen sich nicht, sie fließen zusammen".
Im Februar 2008 erschien sein Buch "Der entfesselte Globus".

2007/2008 übernahm Ilija Trojanow eine Poetik-Dozentur an der Universität Tübingen.

Trojanow wurde mit verschiedenen Literaturpreisen ausgezeichnet, darunter der Bertelsmann-Literaturpreis beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb 1995, der Marburger Literaturpreis 1996, der Adalbert-von-Chamisso-Preis 2000, der Berliner Literaturpreis 2007 und der Mainzer Stadtschreiberpreis 2007.

Seine Bücher wurden ins Arabische, Brasilianische, Bulgarische, Chinesische, Englische, Französische, Holländische, Italienische, Katalanische, Koreanische, Polnische, Portugiesische, Russische, Spanische, Tschechische, Türkische und Ungarische übersetzt.

Eine Veranstaltung von ?Kultur in der Fabrik e.V.?, kuratiert von Peter Ripken, Peter Schneckmann und Florian Koch.

Der Büchertisch wird wie stets von der Buchhandlung "Wendeltreppe" gestaltet.

Mit freundlicher Unterstützung der Frankfurter Buchmesse und des Kulturamts der Stadt Frankfurt am Main.